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INTERVIEW MIT HANSI KÜRSCH - BLIND GUARDIAN

Blind Guardian

Hi Hansi, ich hab einen kleinen Schock gekriegt als es hieß Blind Guardian würden ein "Best Of-Album" veröffentlichen. Ihr denkt hoffentlich nicht daran in Rente zu gehen und das mit einer Retrospektive und einer abschließenden Tour einzuleiten?

Nö, da kann ich Dich beruhigen. Im Gegenteil, wir sind schwer am arbeiten und bereiten uns schon auf die nächsten beiden Stuidoproduktionen vor.

Die da wären?

Wir arbeiten an einem Orchesterprojekt und bereiten so nebenbei schon mal das nächste Blind Guardian Studio-Album vor. die Arbeiten an dem Orchesterprojekt werden noch ca. ein Jahr dauern. Ich habe grade den ersten Run bei der Vorproduktion eingesungen und das Ganze hört sich auch schon ganz gut an. Du siehst, kein Grund zur Beunruhigung.

Nach welchen Kriterien habt Ihr die Songs für Euer "Best Of"-Album "MEMORIES IF A TIME TO COME" ausgewählt und wie schwer habt Ihr Euch die Auswahl gemacht?

Es war ein langer Prozeß, bis wir die Songauswahl fertiggestellt hatten. Wir mußten natürlich auch auf die Wünsche der Plattenfirmen Rücksicht nehmen und so hat sich das Ganze doch ziemlich lange hingezogen. Wir haben nach drei Kriterien ausgewählt: 1. Was ist für die Fans am wichtigsten, 2. Welche Songs sind für uns die Stärksten und 3. Mit welchen Songs stellen wir die unterschiedlichen Facetten am deutlichsten dar. Nach diesen Gesichtspunkten haben wir uns arrangiert. Es sind zum Beispiel auch nicht alle Songs auf dem Album, die ich gerne draufgehabt hätte.

Auf der 3-CD-Deluxe-Edition fällt auf, das "Majesty" zweimal vertreten ist. Wieso?

"Majesty" ist sowohl in der DEMO-Fassung als auch in einer neu remixten Version auf dem Album.

Mit "MEMORIES OF A TIME TO COME" bietet Ihr einen gelungenen Querschnitt durch 25 Bandjahre. Was entgegnet Ihr einem Metal-Fan, der durch dieses Best-Of-Album erst auf Euch aufmerksam geworden ist, aber mehr zu Euren ersten Alben tendiert, die ja doch eher im Speed-Metal beheimatet sind?

Ich könnte es verstehen, müsste ihm aber leider sagen, das wir sowas gar nicht mehr können, da wir heute eine ganz andere Heran-gehensweise beim Schreiben der Stücke haben. Ein reines Speed-Metal-Album könnten wir - glaube ich - gar nicht mehr machen. Für uns wäre das eine Art Rückschritt. So gerne wir auch die alten Sachen live spielen.

Ihr habt einige Songs neu aufgenommen, darunter auch das Epos "And Then There Was Silence" - im übrigen eins meiner Lieblingsstücke von Blind Guardian. Haben Euch die alten Versionen nicht mehr gefallen?

Nein, das war mehr so aus Spaß an der Freud. Wir haben zwei Monate für neue Sachen eingeplant, wobei die meiste Zeit natürlich für "And Then There Was Silence" draugegangen ist. So haben wir uns bei dem Song mal hinterfragt, ob wir klanglich alle Möglichkeiten hinterfragt und ausgeschöpft haben.

Was habt Ihr konkret an den anderen Songs geändert, die ja mit "Reworked" und "Remastert" auf der CD gekennzeichnet sind?

Hier gilt dasselbe wie bei "And Then There Was Silence". Die überarbeiteten Songs sind vom Klang her nach der Überarbeitung einfach zeitgemäßer.

Wenn Du Dir heute die Songs aus Euren Anfangstagen anhört, was empfindest Du dabei? Mir fällt das ganz speziell "Brian" ein, der ja noch unter dem "Lucifers Heritage"-Banner entstand.

"Brian" ist die erste Kooperation zwischen André (Olbrich) und mir. Ich bin tolerant genug zu sagen, das war die Zeit, als wir angefangen haben und es ist ja kein Geheimnis, das wir uns in unseren Anfangstagen stark von der "NWOBHM" beeinflussen lassen haben. Zu damaliger Zeit war halt alles eher semiprofessionell, wir waren aber auch durchaus sehr ambitioniert. Deswegen machen mich solche Songs immer noch stolz.

Nachdem Ihr ja bekannt seit für Songs, die teilweise sehr komplex sind, stellte ich mir schon öfter die Frage, ob Ihr Euch beim Songwriting eigentlich schon im Vorfeld Gedanken macht, ob ein Song "livekompatibel" ist.

Nein, eigentlich machen wir dazu erst Gedanken, wenn ein Song fertig ist. Wir haben eine gewisse Flexibilität entwickelt komplexe Songs live zu spielen. Wir brauchen zwar etwas länger, um eine Liveversion zu entwickeln, aber am Beispiel von "And Then There Was Silence" ging´s relativ schnell. Es gibt aber auch andere Songs, wo sich die Entwicklung einer Liveversion erheblich schwieriger gestaltet.

Wann habt Ihr euch eigentlich zur Stiländerung vom Speed-Metal hin zum Bombast-Metal mit deutlichen Einflüssen aus Klassik und Folk entschieden? Siehst Du das als Stiländerung oder eher als Weiterentwicklung?

Auf jeden Fall war das ein "Weiterentwicklungsprozess". Angefangen haben wir mit den Klassik- und Folk-Einflüssen eigentlich schon auf "Tales From The Twilight World". Die nächsten ein, zwei Alben waren dann so eine Art "Richtungsfindung". Dieser Prozess ist auch noch lange nicht abgeschlossen. Wir versuchen immer uns weiter zu entwickeln und nicht still zu stehen.

Woher kommt Euer "Fantasy-Faible"?

Das war ebenso ein Entwicklungsprozess. Dies Thematik interesseirt uns alle und past auch perfekt zu unserer Musik. Wobei man ebenso sagen muss, das wir uns auch von der Fantasy-Thematik entfernen, wenn die Musik moderner wird. Du kannst Dir das ungefähr so vorstellen: Wir schreiben bei einem Song erst mal so 32 Takte Musik. dann merke ich in welche Richtung der Song geht und mache auf die Suche nach einem Textthema.

Wie geht´s jetzt weiter? Geht Ihr mit dem "Memories Of A Time To Come" auf Tour?

Auf eine richtige Tour nicht. Wir spielen im Frühsommer einige Festivals, darunter auch die "METALFEST OPEN AIRS". Ansonsten stehen aber die Arbeiten an den Studioprojekten im Vordergrund. Wir haben diese Erfahrung bereits früher gemacht, das es die Energie in der Band belebt, wenn wir eine Zeit lang nur vereinzelte Konzerte spielen. Wenn wir aber wieder ein reguläres Studioalbum veröffentlichen, dann gehen wir auch richtig auf Tour.

Ich stelle mir vor, daß auch die Arbeiten an einem "Best-Of-Album" nicht ohne sind. Dann geht´s wieder auf verschiedene Auftritte, es gibt das Orchesterprojekt und Ihr arbeitet an neuen songs für ein Blind-Guardian-Album. So weit ich weiß habt Ihr alle Familie. Kommen die nicht zu kurz?

Ja das stimmt. Aber jeder hat auch Zeit für sein Privatleben. Zwei, drei Wochen Urlaub im Jahr sind schon drin und ich versuche auch mir einen Tag in der Woche frei zu nehmen. Wenn ein neues Album draussen ist und eine Tour ansteht und wir zwischen sechs und neuen Monate unterwegs sind, dann ist eine Familei schon überstrapaziert, aber es kommen dann auch wieder ruhigere Zeiten.

Dann bedanke ich mir für die Zeit, die Du mir geopfert hast. Ich denke wir werden uns beim METAL FEST in Mining (A) wieder unterhalten können. Vielleicht kannst Du mir dann schon mehr zu den neuen Projekten sagen.

Alles klar, bis dann.

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