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Hi
Hansi, ich hab einen kleinen Schock gekriegt als es hieß
Blind Guardian würden ein "Best Of-Album" veröffentlichen.
Ihr denkt hoffentlich nicht daran in Rente zu gehen und das mit
einer Retrospektive und einer abschließenden Tour einzuleiten?
Nö, da kann ich Dich beruhigen. Im Gegenteil, wir sind schwer
am arbeiten und bereiten uns schon auf die nächsten beiden
Stuidoproduktionen vor.
Die da wären?
Wir arbeiten an einem Orchesterprojekt und bereiten so nebenbei
schon mal das nächste Blind Guardian Studio-Album vor. die
Arbeiten an dem Orchesterprojekt werden noch ca. ein Jahr dauern.
Ich habe grade den ersten Run bei der Vorproduktion eingesungen
und das Ganze hört sich auch schon ganz gut an. Du siehst,
kein Grund zur Beunruhigung.
Nach
welchen Kriterien habt Ihr die Songs für Euer "Best
Of"-Album "MEMORIES IF A TIME TO COME" ausgewählt
und wie schwer habt Ihr Euch die Auswahl gemacht?
Es war ein langer Prozeß, bis wir die Songauswahl fertiggestellt
hatten. Wir mußten natürlich auch auf die Wünsche
der Plattenfirmen Rücksicht nehmen und so hat sich das Ganze
doch ziemlich lange hingezogen. Wir haben nach drei Kriterien
ausgewählt: 1. Was ist für die Fans am wichtigsten,
2. Welche Songs sind für uns die Stärksten und 3. Mit
welchen Songs stellen wir die unterschiedlichen Facetten am deutlichsten
dar. Nach diesen Gesichtspunkten haben wir uns arrangiert. Es
sind zum Beispiel auch nicht alle Songs auf dem Album, die ich
gerne draufgehabt hätte.
Auf der 3-CD-Deluxe-Edition fällt auf, das "Majesty"
zweimal vertreten ist. Wieso?
"Majesty" ist sowohl in der DEMO-Fassung als
auch in einer neu remixten Version auf dem Album.

Mit
"MEMORIES OF A TIME TO COME" bietet Ihr einen gelungenen
Querschnitt durch 25 Bandjahre. Was entgegnet Ihr einem Metal-Fan,
der durch dieses Best-Of-Album erst auf Euch aufmerksam geworden
ist, aber mehr zu Euren ersten Alben tendiert, die ja doch eher
im Speed-Metal beheimatet sind?
Ich könnte es verstehen, müsste ihm aber leider sagen,
das wir sowas gar nicht mehr können, da wir heute eine ganz
andere Heran-gehensweise beim Schreiben der Stücke haben.
Ein reines Speed-Metal-Album könnten wir - glaube ich - gar
nicht mehr machen. Für uns wäre das eine Art Rückschritt.
So gerne wir auch die alten Sachen live spielen.
Ihr habt einige Songs neu aufgenommen, darunter auch das Epos
"And Then There Was Silence" - im übrigen eins
meiner Lieblingsstücke von Blind Guardian. Haben Euch die
alten Versionen nicht mehr gefallen?
Nein, das war mehr so aus Spaß an der Freud. Wir haben
zwei Monate für neue Sachen eingeplant, wobei die meiste
Zeit natürlich für "And Then There Was Silence"
draugegangen ist. So haben wir uns bei dem Song mal hinterfragt,
ob wir klanglich alle Möglichkeiten hinterfragt und ausgeschöpft
haben.
Was
habt Ihr konkret an den anderen Songs geändert, die ja mit
"Reworked" und "Remastert" auf der CD gekennzeichnet
sind?
Hier gilt dasselbe wie bei "And Then There Was Silence".
Die überarbeiteten Songs sind vom Klang her nach der Überarbeitung
einfach zeitgemäßer.
Wenn
Du Dir heute die Songs aus Euren Anfangstagen anhört, was
empfindest Du dabei? Mir fällt das ganz speziell "Brian"
ein, der ja noch unter dem "Lucifers Heritage"-Banner
entstand.
"Brian"
ist die erste Kooperation zwischen André (Olbrich) und
mir. Ich bin tolerant genug zu sagen, das war die Zeit, als wir
angefangen haben und es ist ja kein Geheimnis, das wir uns in
unseren Anfangstagen stark von der "NWOBHM" beeinflussen
lassen haben. Zu damaliger Zeit war halt alles eher semiprofessionell,
wir waren aber auch durchaus sehr ambitioniert. Deswegen machen
mich solche Songs immer noch stolz.
Nachdem
Ihr ja bekannt seit für Songs, die teilweise sehr komplex
sind, stellte ich mir schon öfter die Frage, ob Ihr Euch
beim Songwriting eigentlich schon im Vorfeld Gedanken macht, ob
ein Song "livekompatibel" ist.
Nein, eigentlich machen wir dazu erst Gedanken, wenn ein
Song fertig ist. Wir haben eine gewisse Flexibilität entwickelt
komplexe Songs live zu spielen. Wir brauchen zwar etwas länger,
um eine Liveversion zu entwickeln, aber am Beispiel von "And
Then There Was Silence" ging´s relativ schnell. Es
gibt aber auch andere Songs, wo sich die Entwicklung einer Liveversion
erheblich schwieriger gestaltet.
Wann
habt Ihr euch eigentlich zur Stiländerung vom Speed-Metal
hin zum Bombast-Metal mit deutlichen Einflüssen aus Klassik
und Folk entschieden? Siehst Du das als Stiländerung oder
eher als Weiterentwicklung?
Auf jeden Fall war das ein "Weiterentwicklungsprozess".
Angefangen haben wir mit den Klassik- und Folk-Einflüssen
eigentlich schon auf "Tales From The Twilight World".
Die nächsten ein, zwei Alben waren dann so eine Art "Richtungsfindung".
Dieser Prozess ist auch noch lange nicht abgeschlossen. Wir versuchen
immer uns weiter zu entwickeln und nicht still zu stehen.
Woher
kommt Euer "Fantasy-Faible"?
Das
war ebenso ein Entwicklungsprozess. Dies Thematik interesseirt
uns alle und past auch perfekt zu unserer Musik. Wobei man ebenso
sagen muss, das wir uns auch von der Fantasy-Thematik entfernen,
wenn die Musik moderner wird. Du kannst Dir das ungefähr
so vorstellen: Wir schreiben bei einem Song erst mal so 32 Takte
Musik. dann merke ich in welche Richtung der Song geht und mache
auf die Suche nach einem Textthema.
Wie
geht´s jetzt weiter? Geht Ihr mit dem "Memories Of
A Time To Come" auf Tour?
Auf eine richtige Tour nicht. Wir spielen im Frühsommer
einige Festivals, darunter auch die "METALFEST OPEN AIRS".
Ansonsten stehen aber die Arbeiten an den Studioprojekten im Vordergrund.
Wir haben diese Erfahrung bereits früher gemacht, das es
die Energie in der Band belebt, wenn wir eine Zeit lang nur vereinzelte
Konzerte spielen. Wenn wir aber wieder ein reguläres Studioalbum
veröffentlichen, dann gehen wir auch richtig auf Tour.
Ich stelle mir vor, daß auch die Arbeiten an einem
"Best-Of-Album" nicht ohne sind. Dann geht´s wieder
auf verschiedene Auftritte, es gibt das Orchesterprojekt und Ihr
arbeitet an neuen songs für ein Blind-Guardian-Album. So
weit ich weiß habt Ihr alle Familie. Kommen die nicht zu
kurz?
Ja
das stimmt. Aber jeder hat auch Zeit für sein Privatleben.
Zwei, drei Wochen Urlaub im Jahr sind schon drin und ich versuche
auch mir einen Tag in der Woche frei zu nehmen. Wenn ein neues
Album draussen ist und eine Tour ansteht und wir zwischen sechs
und neuen Monate unterwegs sind, dann ist eine Familei schon überstrapaziert,
aber es kommen dann auch wieder ruhigere Zeiten.
Dann
bedanke ich mir für die Zeit, die Du mir geopfert hast. Ich
denke wir werden uns beim METAL FEST in Mining (A) wieder unterhalten
können. Vielleicht kannst Du mir dann schon mehr zu den neuen
Projekten sagen.
Alles klar, bis dann.
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